24.01.2011

Hamburger Grasgeflüster

Reinhold Beckmann ist am Ende vielleicht der einzige, der das Hamburger Personaldesaster in einem Satz auf den Punkt gebracht hat. Kaum ist der Beitrag über die Affäre Matthias Sammer am Samstagabend in der Sportschau abgespielt, zieht der ARD-Mann die Augenbrauen hoch und kommentiert trocken: „Alle das gleiche Zeug gekifft.“


Nanu, solch' herbe Worte bei den Öffentlichen? Die DFL wirbt doch eigentlich mit „Keine Macht den Drogen?“ Arbeiten die nicht zusammen? Aber Beckmann weiß, was er sagt. Gemeint war der Aufsichtsrat des HSV, dessen Verhalten tatsächlich auf die Einnahme bewusstseinsverändernder Drogen schließen lässt. Was der Vorsitzende Ernst-Otto-Rieckhoff seinem Verein an diesem 19. Spieltag angetan hat, lässt sich an Peinlichkeit kaum noch überbieten. Und an Verpeiltheit auch nicht.
Wer Matthias Sammer kennt weiß, dass der Fußballer des Jahres 1996 es gerne professionell mag. Sammer achtet auf die Details. Sammer hat Ideen und eine Vision: ein Profi eben. Seit er Sportdirektor beim DFB ist, gewann Deutschland alle internationalen Turniere von der U17 bis zur U21. Einer wie der Ex-Dortmunder wäre für die Hamburger, die sich bei mehr als einer Personalfrage der vergangenen Jahre schwer vertan haben, ein Riesengewinn gewesen. 
Und es hätte so einfach sein können. Doch weil sie in Hamburg schon immer im Übermorgen leben, kündigte Rieckhoff den neuen Sportchef an, ohne dass dessen Unterschrift den Vertrag jemals geziert hätte. „Ich hatte nur eine Bedingung. Und die war, dass es keinen zeitlichen Druck gibt“, erklärte Sammer am Tag darauf seine Entscheidung, dem HSV abzusagen.
Was bleibt, sind Erinnerung an Oliver Scheel, den Ex-Vorstand, der vor drei Jahren wegen sexueller Nötigung angezeigt wurde. Sind Gedanken an Martin Jol, einen wunderbaren Trainer, den sie 2009 trotzdem absägten. Sind Eskapaden von Spielern wie Guy Demel, Rafael van der Vaart und neuerdings auch Ruud van Nistelroy. Sind Gedankenspiele, wo der HSV schon seit Jahren stehen könnte, wenn einer wie Matthias Sammer den Laden schon viel früher unter seine Fittiche genommen hätte. 
Zurück bleibt jetzt auch ein gedemütigter Immer-Noch-Sportchef Bastian Reinhardt, der mit traurigen Augen vor der Kamera um Rückendeckung von oben bittet. Bis Trainer Armin Veh am nächsten Tag verkündet, dass „Bastian mit der Aufgabe doch sehr überfordert wäre.“ Vielleicht sollten sie beim HSV mal alle zusammen einen rauchen und wieder runterkommen. Reinhold Beckmann würde ihnen bestimmt verraten, wo das beste Zeug wächst.

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  • Der Ausblick auf den Schleidenplatz ist wirklich toll und das...

    weiterlesen von olilo um 01:39 Uhr
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    weiterlesen von whiskeysierra um 00:55 Uhr
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